Am 14. Januar 1819 verlieh der sächsische König Friedrich August dem aus Berlin stammenden Kaufmann Carl Friedrich Ernst Weiße per Dekret die Genehmigung zum Betrieb einer "allergnädigst privilegierten Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt" (Leipziger Feuer). Die Leipziger Feuer war die zweite derartige Gesellschaft auf dem Gebiet des Deutschen Bundes und nahm am 1. Juni desselben Jahres den Geschäftsbetrieb auf. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte sie bereits fünf Mitarbeiter und sage und schreibe 300 Vertreter. In dem abgebildeten Gebäude in der Petersstraße Ecke Thomasgasse war die Leipziger Feuer zwischen 1819 und 1821 untergebracht. Den hier gegen Feuerschäden versicherten Menschen wurde die Regulierung entstandener Schäden innerhalb von maximal zwei Monaten garantiert. Der erste Versicherungsfall, ein Brandschaden im Jahr 1820, konnte so innerhalb von 6 Tagen abgewickelt werden.
Zum 50. Jubiläum der Leipziger Feuer-Versicherungs-Anstalt war das Unternehmen inzwischen in allen deutschen Staaten vertreten und auch in Übersee konnten die ersten Kunden verzeichnet werden. Im gleichen Jahr wurde Julius Lemke in den Vorstand gewählt. Während seiner bis 1895 dauernden Amtszeit kam es zu einer Reihe bedeutender Entwicklungen. Es erfolgte der Beitritt der Gesellschaft zum Verband Deutscher Privat-Feuer-Versicherungs-Gesellschaften, nach dem deutsch-französischen Krieg wurde zudem das Geschäft im neugewonnenen Gebiet Elsaß-Lothringen aufgenommen. Ebenso wurde eine Pensionskasse für Beamte eingeführt. Als Lemke ausschied, hatte er der Anstalt eine "in allen Teilen wohlgeordnete Verwaltung" hinterlassen.
1934 wurde die Hallesche Krankenkasse als neue Versicherungsgesellschaft geschaffen. Ihre Gründung war die Folge der ersten „Gesundheitsreform“ der Nationalsozialisten: Nach den neuen Bestimmungen durften die Ersatzkassen nur noch Sozialversicherer sein. Da die Kaufmännische Krankenkasse Halle (KKH) aber viele Privatversicherte besaß, musste eine neue Gesellschaft gegründet werden, um diese Kunden nicht zu verlieren. Der nationalsozialistische Zeitgeist machte sich bei der Gründung deutlich bemerkbar, unter anderem musste das Führerprinzip in der Satzung verankert werden und es durften ausschließlich „Arier“ in die Versicherung aufgenommen werden. Um die Zulassung zu erhalten, wurde 1935 über 400 jüdischen Versicherten gekündigt.
Alte Leipziger Versicherung - Umzug nach Bonn, später Frankfurt am Main
In den 1930er Jahren waren die Leipziger Feuer und die Alte Leipziger Lebensversicherung durch eine Arbeitsgemeinschaft eng miteinander verbunden. Dementsprechend wurden bedeutende geschäftspolitische Entscheidungen gemeinsam getroffen. Allerdings hatten sich nach dem Ende des Krieges ihre Wege, zumindest was die Standorte anging, kurzzeitig getrennt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war eine Weiterarbeit in Leipzig nicht länger möglich, da unter sowjetischer Besatzung das Versicherungswesen verstaatlicht wurde. Zwei Jahre nach Kriegsende unternahm die Leipziger Feuer, mit Bonn als neuem Verwaltungsort, einen Neustart im Westen. Trotz der räumlichen Trennung bestand weiterhin ein reger schriftlicher und persönlicher Austausch zwischen den Mitgliedern der Versicherungsgruppe. Der Verlust des geschäftsstarken mittel- und ostdeutschen Raums stellte hingegen einen schweren Schlag dar: Noch Mitte der 1950er Jahre war bei den Jahresprämieneinnahmen das Niveau der Vorkriegszeit nicht wieder erreicht. 1956 folgte die Leipziger Feuer schließlich der Alte Leipziger Lebensversicherung nach Frankfurt am Main. Fortan konnten Entscheidungen wieder unter einem gemeinsamen Dach getroffen und die erfolgreiche Zusammenarbeit fortgeführt werden.
Alte Leipziger Lebensversicherung - Umzug nach Bad Gandersheim, später Frankfurt am Main
Die Leipziger Lebensversicherung verlegte ihren Sitz in die westlichen Besatzungszonen: Die Alte Leipziger Lebensversicherung zog 1946 nach Bad Gandersheim in Niedersachsen, 1952 nach Frankfurt am Main.
Hallesche Krankenversicherung - Umzug nach Stuttgart
Das Kriegsende und die folgende politische Neuordnung bedeuteten einen schweren Schlag für die Hallesche: Infolge des Verlusts der Ostgebiete des Deutschen Reiches sowie der Entstehung der Sowjetischen Besatzungszone verlor sie gut ein Drittel ihres Versichertenbestandes, denn die sowjetischen Besatzer untersagten Versicherten jedwede Verbindung zur Hallesche. Deren Versicherungsbestände gingen in eine neue Gesellschaft über, die Ostberliner Bestände wurden enteignet. Aus diesem Grund wurde bereits 1948 die Hauptverwaltung der Hallesche von Berlin nach Stuttgart verlegt. 1949 wurde dort auch die „Zweigniederlassung“ West begründet. Damit begann der Neuanfang der Gesellschaft im Westen.
1955 feierte die Alte Leipziger Lebensversicherung das 125-jährige Gründungsjubiläum. Zu diesem Anlass erhielt sie auch Glückwünsche des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss, der bereits als Student bei der Alte Leipziger eine Versicherung abgeschlossen hatte. Er betonte, dass ihm als Oberhaupt der Bundesrepublik Deutschland zwar alle Lebensversicherungen gleich nah stünden, seine „nicht überwältigende, sondern bürgerlich-durchschnittliche Prämie“ aber allein die Alte Leipziger erhielte. Darüber hinaus wurde Heuss in die Mitgliedervertretung der Alte Leipziger Lebensversicherung gewählt.
1957 wurde das bislang von Frankreich verwaltete Saarland politischer Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland. Zusammen mit der Pariser Gesellschaft "La Paix" gründete die Leipziger Feuer in Saarbrücken die Zenith Versicherung AG, die ein Jahr später ihren Betrieb aufnahm. Zum Zeitpunkt der Gründung erstreckte sich die Geschäftstätigkeit auf die Versicherungszweige Feuer, Einbruchdiebstahl, Leitungswasser, Glas, Sturm, Haftpflicht, Unfall, Kraftfahrt, Luftfahrt und Transport. Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich das neue Unternehmen zu einem Spezialversicherer für Kraftfahrzeuge. 2001 wurde es schließlich auf die Alte Leipziger Versicherung AG verschmolzen.
Im Jahr 1962 wurde die Rechtsschutzversicherung gegründet. Sie trug den Namen RECHTSSCHUTZ UNION Versicherungs-AG und hatte ihren Sitz in München.
1968 gründete die Alte Leipziger Lebensversicherung zusammen mit führenden europäischen Firmenversicherern „INSUROPE“. Dies ist eines der größten internationalen Netzwerke für Lösungen der betrieblichen Altersversorgung und weltweit in über 80 Ländern vertreten. Über INSUROPE beziehungsweise deren nationale Netzwerkpartner werden den lokalen Niederlassungen multinational tätiger Unternehmen von ausgewiesenen Experten in ihren jeweiligen Märkten bedarfsgerechte Lösungen für die betriebliche Altersversorgung zur Verfügung gestellt.
Die Deutsche Bau-Gemeinschaft (DBG) sah sich ab Mitte der 1960er Jahre der Tatsache gegenüber, dass sie mit ihrer bisherigen Struktur an ihre Grenzen gestoßen war. Um finanzielle Schwierigkeiten zu verhindern, suchte man starke Partner. Die Alte Leipziger Lebensversicherung zeigte großes Interesse daran, ihre Angebotspalette um Bausparen zu erweitern. So wurden die gemeinsamen Kontakte intensiviert und die Alte Leipziger Lebensversicherung besaß schon bald die Mehrheitsbeteiligung an der DBG. Die Gesellschaftsbezeichnung änderte sich in „Königsteiner Bausparkasse Deutsche Bau-Gemeinschaft AG“. Heute trägt diese den Namen Alte Leipziger Bauspar AG.
In den 1970er Jahren wurden die Grundlagen für den Unternehmensverbund Alte Leipziger – Hallesche gelegt. 1972 übernahm die Alte Leipziger Lebensversicherung den Versicherungsbestand der Hallesche Lebensversicherung a.G. Fortan begann eine enge Zusammenarbeit der Alte Leipziger mit der Hallesche Krankenversicherung a.G. (die seit 1975 nach einer Fusion den Namen Hallesche-Nationale Krankenversicherung a.G. trug): 1973 schlossen sie einen Kooperationsvertrag ab, um ihre Außenorganisationen wechselseitig nutzen zu können. Das Stadium einer vertriebsorientierten Partnerschaft hatte man bald hinter sich gelassen: 1994 wurde aus dieser Kooperation schließlich ein Gleichordnungskonzern geschaffen.
Nach fast zwanzig Jahren in Frankfurt hatte sich der Versicherungsbestand der Alte Leipziger Lebensversicherung deutlich erhöht und die Zahl der Mitarbeiter entsprechend zugenommen. Weil der bisherige Standort in Frankfurt nicht erweitert werden konnte, beschloss man, die Firmensitze der Alte Leipziger Versicherung AG und der Alte Leipziger Lebensversicherungsgesellschaft in ein großes neues Gebäude im nahegelegenen Oberursel im Taunus zu verlegen, wohin auch die Königsteiner Bausparkasse Deutsche Bau-Gemeinschaft AG folgte.
Die Gründung der Alte Leipziger Trust Investment GmbH fällt in das Jahr 1986. Unter anderem konnten Kunden nun Leistungen aus abgelaufenen Lebensversicherungsverträgen nicht nur in eine Rentenversicherung investieren, sondern alternativ dazu in Investmentfonds der Alte Leipziger einzahlen. Heute versteht sich die Alte Leipziger Trust als professioneller Partner für Vermögensmanagement und Kompetenzcenter für die klassische Geldanlage mit Investmentfonds.
Der Alte Leipziger – Hallesche Konzern kann auf nunmehr 200 Jahre bewegter und erfolgreicher Versicherungsgeschichte zurückblicken!